Interview zum NENA Projekt
Lesen sie das Interview zum NENA-Projekt mit Projektleiter Franz Rüf, Regionalentwicklung Vorarlberg für die Zeitschrift Alpenjournal Ausgabe 03/2006.
Zum Interreg IIIB-Programm:
Im Rahmen des Interreg IIB-Programms soll die gesamte Region von den Projekten profitieren, da es für einen Ausgleich zwischen wirtschaftlich besser und schlechter gestellten Gegenden sorgen soll. Wie ist das mit den am NENA-Projekt beteiligten Unternehmen möglich?
Gute Beispiele transparent machen, das ist die Grundstrategie im Projekt NENA. Jene Unternehmen, die die Erfahrung anderer Unternehmen nutzen, werden davon profitieren.
Gab es vorab Probleme das NENA-Projekt über Interreg IIIB mitfinanzieren zu lassen oder woher kam die späte Entscheidung, zum Projektstart erst jetzt 2006, da das Programm ausläuft?
Die Idee stammt von der CIPRA (Internationale Alpenschutzkommission). Diese hat in 2005 mit dem Wettbewerb "Zukunft in den Alpen" Organisationen im Alpenraum dazu aufgerufen sich am Wettbewerb positiver Projektbeispiele im Alpenraum zu beteiligen mit dem Ziel: gute Beispiele bekannt zu machen und so andere zur Nachahmung anzuregen.
Wir von der Regionalentwicklung Vorarlberg haben uns mit der Initiative Holzbau Kunst beteiligt und als Siegerprojekt von 570 Bewerbungen im gesamten Alpenraum hervorgegangen. Gestärkt mit der Idee und der Überzeugung, dass das Aufzeigen positiver Beispiele stimulierend auf die gesamte okonomische und kulturelle Entwicklung nimmt sind wir an das Projekt NENA herangegangen.
Das Projekt NENA bricht die Idee auf die einzelbetriebliche Ebene herunter. Die Beispiele werden konkreter und sozusagen Handfester.
Wieviele Programme werden insgesamt von Interreg IIIB finanziert und ggfs. welche?
Österreich, Frankreich: Rhône-Alpes, Provence-Alpes-Côte d'Azur, Franche-Comté, Elsass; Deutschland: Regierungsbezirke Oberbayern und Schwaben (in Bayern), Tübingen und Freiburg (in Baden-Württemberg); Italien: Lombardei, Friaul-Julisch-Venezien, Venedig, Autonome Provinz Bozen und Trient, Aostatal, Piemont, Ligurien. Slowenien (ganzes Land); Liechtenstein (ganzes Land); Schweiz (ganzes Land).
Das INTERREG III B sieht Förderschwerpunkte vor und gliedert daher in Schwerpunkte und Maßnahmen. Die Projektwerber müssen mit ihren Projekten diesen Schwerpunkten und Maßnahmen inhaltlich. Das Budget ist dementsprechend aufgegliedert.
Insgesamt sind jährlich 20 Mio. für Projekte vorgesehen. – also mal 6 Jahre 120 Mio – möchte aber keine falschen Zahlen in den Raum stellen, ich lese das auch nur aus den Berichten, im Übrigen bin ich ein Projektteilnehmer
Prioritäten und Maßnahmen
Priorität 1:
Förderung der Wettbewerbsfähigkeit des Lebens- und Wirtschaftsraumes Alpen in seinen europäischen räumlichen Verflechtungen
Maßnahme 1: Wissensaustausch und gemeinsame Perspektiven
Maßnahme 2: Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltige Entwicklung.
Priorität 2
Entwicklung nachhaltiger Verkehrssysteme, Verbesserung der Effizienz, Intermodalität und Erreichbarkeit
Maßnahme 1: Perspektiven und Analysen
Maßnahme 2: Verbesserung bestehender und Förderung zukunftsweisender Verkehrssysteme durch groß- und kleinräumige intelligente Verkehrslösungen (z.B. Intermodalität).
Priorität 3
Pfleglicher Umgang mit Natur, Landschaft und kulturellem Erbe; Förderung des Umweltschutzes und des Schutzes vor Naturkatastrophen
Maßnahme 1: Natur und Ressourcen, insbesondere Wasser
Maßnahme 2: Pflegliche Bewirtschaftung und Förderung von Landschaften und Kulturerbe
Maßnahme 3: Zusammenarbeit im Bereich Naturgefahren.
Priorität 4
Technische Hilfe (für Antragsteller nicht relevant)
Maßnahme 1: Programmverwaltung.
Maßnahme 2: Information und Evaluation.
Welche Projekte wurden bisher im Rahmen von Interreg II und mit welchem Erfolg durchgeführt?
Dazu kann ich zu wenig sagen, ich habe die Projekte nicht evaluiert. Wegen den vorgegebenen Entwicklungsprioritäten und Maßnahmen haben die Projekte auch andere Ziele und sind daher auch nicht so leicht vergleichbar und ökonomisch messbar. Persönlich habe ich den Eindruck, dass einzelne Konsortien sehr positive Arbeit geleistet und Bewegung in ihren Regionen durch INTERREG-Projekte geschaffen haben. Das ist auch das entscheidende, denn die Wirtschaft spielt sich in der Einstellung, also in den Köpfen der Menschen ab. Positive Stimmung sorgt für Kaufkraft, für Investitionsfreude, trägt zur Produktivität bei und lässt die kulturellen in der Gesellschaft wachsen.
Sind die EU-finanzierten Programme nicht mit einem enormen bürokratischen Aufwand verbunden, die die Ziele des eingentlichen Projekts wohlmöglich in den Hintergrund rücken lassen?
Ja schon, aber ich habe Verständnis dafür, denn die Verantwortlichen stehen unter dem Druck der so genannten "Saubermacher" in der EU, solche Leute gibt es natürlich auch auf Länder und Gemeindebene.
Damit werden alle Zuständigen gezwungen penibel zu sein und wollen sich 4 mal absichern. Dazu kommt der Druck, dass auch Ergebnisse erwartet werden, die den generellen Zielen des Programms entsprechen. Also die Projektträger müssen laufend angehalten werden Ergebnisse zu bringen, nicht nur Geld abzuholen. Das zu steuern ist nicht leicht und mit so genanntem Bürokratismus verbunden.
Dazu kommen noch die bürokratischen Eigenheiten der Länder, denn jedes Land glaubt noch die Subsidiarität im Bürokratismus fortsetzen zu müssen.
Also in dem Bereich sind sicher Erleichterungen möglich, es sollte da für alle Länder einen gültigen Abwicklungsstandard geben, man würde meinen, dass das in einem Projekt logisch sei, aber ist es in Europa noch nicht.
Bürokratische Erleichterungen wären meines Erachtens auch dann möglich, wenn die Projektträger professionelle Projektmanagementstrukturen nachweisen müssen, bevor sie ein Projekt zur Förderung bewilligt bekommen. Also ich würde der EU raten Projektträger stärker im Projektmanagement auszubilden und weniger in den Kontrollaparat zu investieren.
Zum NENA-Projekt:
Wie ist die Idee zu dem Projekt aus dem CIPRA Projekt „Zukunft in den Alpen“ heraus entstanden und warum?
Wie zu Beginn gesagt ist die zentrale Idee gute Beispiele transparent und bekannt zu machen. Das auf betrieblicher Ebene und ganz speziell auf die Kooperation hin betrachtet. Es geht darum aufzuzeigen, was es den einzelnen Unternehmen bringt, wenn er verstärkt kooperiert. Wir wollen transparent machen, was Cluster, also lose Unternehmens und Ausbildungsverbünde, für einen wirtschaftlichen Beitrag für eine Branche zu leiten im Stande sind.
Wie ist der Kontakt zwischen CIPRA und den anderen beteiligten Partnern entstanden oder arbeiten diese bereits länger zusammen?
Also wir kennen die CIPRA als Organisation schon länger, aber konkret wurde es mit der Initiative "Zukunft in den Alpen". Die Kontakte zu den anderen Partnern entstanden auf Anregung von CIPRA aber auch uns war bekannt, dass die eine oder andere Organisation aus den Bundesländern zu den von uns angestrebten Themen passt. Es sind also durchaus persönliche Beziehungen, die den Ausschlag für die Bildung des Konsortiums gab.
Wie lange hat die Vorarbeit zu dem Projekt gedauert?
Auf Grund des Zeitdrucks haben wir es in 6 Monaten geschafft, normalerweise ist mit einem Jahr Vorlauf zu rechnen. Das ist nicht aussergewöhnlich, diese Zeit benötigen die Partner um sich gegenseitig abzustimmen – in Zielen, Inhalten und Methoden. Das geht natürlich etwas schneller bei bestehenden Kooperationen. In diesem Projekt und unter diesen Verhältnissen war die Vorbereitungszeit sehr kurz
Was musste getan werden, um sicher gehen zu können, dass die EU-Finanzmittel in Anspruch genommen werden können?
Das finde ich nicht schwierig; wir müssen ordentliche Arbeit leisten, uns für das Projekt die entsprechende Zeit nehmen, dann läuft es sicher nach Plan. Wenn andere Projekte diese Aufgabe nicht erfüllen, dann sind das Managementfehler im jeweiligen Projekt.
Gab es bestimmte Gründe dafür, dass Ihre Organisation zum Leadpartner gewählt wurde?
Ich nehme an schon. Wir konnten uns durch die auszeichnung im Projekt "Zukunft in den Alpen" gut positionieren. Darüberhinaus konnten wir in der Abwicklung anderer EU Projekte zeigen, dass wir in der Lage sind ein derartiges Projekt zu koordinieren. Ein wichtiger Grund sind aber die in Vorarlberg beteiligten Clusterorganisationen, die in sich schon gute Strukturen aufweisen. So gibt es eben die Qualitätsgemeinschaft der Holzbauer, wo schon KMUs organisatorisch zusammengefasst sind und zu bestimmten Themen kooperieren, dies gilt auch für die Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie. Es sind also bereits Kooperationsstrukturen da, die sich für die Entwicklung und Darstellung von Beispielen eignen. Natürlich haben auch unsere Partner sehr gute Voraussetzungen und ich möchte uns nicht hervorheben.
Welche Unternehmen oder Partner sind an dem Projekt genau beteiligt?
Regionalentwicklung Vorarlberg, Leadpartner (A); Autonome Provinz Bozen – Innovation, Forschung und Entwicklung(I); Chambre de Commerce et d'Industrie Lyon (F); Regione Piemonte, Assessorato alle Politiche Territoriali (I); Fachhochschule Rosenheim (D); Posoški razvojni (SLO); Energieagentur Judenburg-Knittelfed-Murau (A); Tiroler Zukunftstiftung; CIPRA International (A); CIPRA International (FL), ITZ Innovations Transfer Zentralschweiz (CH)
Partner Vorarlberg:
Qualitätsgemeinschaft Holz; Vorarlberger Waldbesitzerverband; Innung Holzbau BgA; Vorarlberger Energieinstitut; ARGE erneuerbare Energie Vorarlberg; Entwicklungsverein Natur und Kulturerbe Vorarlberg
Wie funktioniert die Zusammenarbeit, der Austausch genau?
Hier kann in zwei Ebenen unterschieden werden: Einmal ist es die direkte Kooperation im Projekt. Die beteiligten Organisationen der Länder beteiligen sich an gemeinsamen Aktionen und tauschen sich dabei intensiv aus. So wollen wir z.B. die Ausbildung jugendlicher Handwerker in einer überbetrieblichen und Länder übergreifenden Aktion verbessern. Die Jugendlichen erwerben durch die gemeinsamen Aktionen fachliche und soziale Kompetenz, die für die grenzüberschreitende Arbeit der Zukunft erforderlich ist.
Ein anderes Beispiel ist die Ökostrombörse. Hier wollen wird ein Modell parallel in den Regionen einführen, das die vielen kleinen Produzenten von Ökostrom finanziell und technisch unterstützt.
Weiters wollen wir an konkreten Projekten in den teilnehmenden Ländern die Passivhaustechnologie anwenden und damit den Know-how Austausch intensivieren.
Auch soll das Modell des Innovationsassitenten in mehreren Regionen in Erwägung gezogen werden. Mehrere Regionen werden gemeinsam den Wettbewerb zum Holzbaupreis konzipieren und gemeinsam oder paralell umsetzen.
Also das Projekt NENA teilt sich in einzelne Teilprojekte wo jedes für sich ein Vorzeigebeispiel werden soll.
Diese Beispiele sollen dazu beitragen, dass ein Netzwerk des Austausches entsteht. CIPRA ist mit dem Aufbau eines Netzwerkes von KMUs zur nachhaltigen Entwicklung beschäftigt. Hier erfolgt auch die Kommunikation der Beispiele im Alpenraum
Was wird konkret gemacht und wo?
Es wird 2007 der Holzbaupreis NEU mit grenzüberschreitender Ausprägung stattfinden, es werden etwa 6 bis 10 Investitionsmodelle für die Ökostromproduktion in den Ländern umgesetzt, es werden mindestens 6 Seminare zum Passivhaus durchgeführt und es wird ein FH Lehrgang bzw Meisterseminar zum Holzbau entwickelt und umgesetzt.
Wozu werden die finanziellen Mittel im Einzelnen eingesetzt?
Für die Planungsleistungen und für Pilotaktionen
Inwieweit unterscheiden sich die Zwecke für die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden in den einzelnen Regionen?
Die Regionen haben ihre Schwerpunkte, die Zwecke sind sehr ähnlich. Es werden in allen Regionen Beratungs- und Entwicklungsleistung finanziert, es werden Pilotaktionen, Ausbildungsmaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit finanziert.
Etwa 2/3 der Mittel werden für Honorare und direkte Personalkosten verwendet.
Wie sieht die Zielsetzung bis 2008 aus und wie erklärt sich dadurch die Nachhaltigkeit des Projektes?
Ich denke, dass das Projekt einen kräftigen Impuls zum Know-how Austausch und für Kooperation bis zu diesem Zeitpunkt setzen konnte.
Was geschieht, wenn die Ziele nicht bis 2008 umgesetzt werden und die finanziellen Mittel aufgebraucht sind?
Das sollte uns jedenfalls nicht passieren, aber wenn, dann können die geplanten Leistungen eben nicht abgerechnet werden. Ich bin davon überzeugt, dass die verbleibenden Mittel von der EU sinnvoll eingesetzt werden bzw. für zukünftige Programme Verwendung finden.
Sie streben eine Zertifizierung der Unternehmen an. Wie soll diese aussehen und nach welchen Kriterien wird wer beurteilen?
Das ist nicht ganz richtig. Wir streben in einem Teilprojekt an, dass die Regionale Ressource Holz, also heimisches Holz bzw. dessen Verwendung zertifiziert wird. Das funktioniert relativ einfach, muss aber von vielen Teilnehmern der Wertschöpfungskette Holz getragen werden. Deshalb entsteht ein nicht unerheblicher Aufwand im Projekt. Also der Anwender von "Heimischen Holz" erhält ein Zertifikat und kann dadurch den Nachweis zum ökologischen Handeln und Wirtschaften erbringen.
Die Interreg-Projekte werden allgemein ausgeschrieben. Wo wurde das NENA-Projekt ausgeschrieben?
Das Projekt wird nicht direkt ausgeschrieben; wir haben uns mit dem Projekt NENA beworben, weil wir der Ansicht waren, dass wir damit die Entwicklungsziele der EU vollinhaltlich erfüllen.
Wir haben das Projekt in der Priorität 1: "Förderung der Wettbewerbsfähigkeit des Lebens- und Wirtschaftsraumes Alpen in seinen europäischen räumlichen Verflechtungen" Maßnahme 2: "Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltige Entwicklung" - eingereicht.
Wie wurde es aufgenommen?
Ich denke wir haben mit dem Projekt NENA die Vorstellungen der Programmverantwortlichen Stellen getroffen und daher auch den Zuspruch zur Förderung erhalten. Unsere Überzeugung hat uns daher Recht gegeben.
Gibt es für Unternehmen noch die Möglichkeit sich an dem Projekt zu beteiligen und wenn ja bis wann und wie?
Auf lokaler Ebene sind wir gerade dabei die Teilnehmenden Unternehmen zu fixieren. Das müssen wir in Kürze abgeschlossen haben, damit wir mit geziehlten Aktionen vorankommen. Diese Phase wir bis Ende Juni abgeschlossen sein.
Die Interreg-Projekte unterliegen einer Kontrolle. Wie und von wem wird das NENA-Projekt kontrolliert?
Die wichtigste Instanz ist die First Level Control, das ist in unserem Fall ein unabhängiges und zertifiziertes Wirtschaftsprüfungsunternehmen mit Sitz in Wien. Jeder beteiligte Partner hat ein derartiges Prüfungsunternehmen in seinem Land zu nennen. So werden nicht nur die Förderbestimmungen geprüft sondern auch die Einhaltung der nationalen Bestimmungen geprüft.
Es handelt sich um eine Prüfung wie das bei großen öffentlichen Institutionen auch der Fall ist. Die weitere Prüfung erfolgt dann von der im INTERREG-Programm eingerichteten Verwaltungsbehörde mit Sitz in Salzburg und der dort auch angesiedelten Zahlstelle
Die EU-Finanzmittel stehen ja nur den EU-Mitgliedstaaten zur Verfügung, so dass die an dem Projekt ebenfalls beteiligten Länder Schweiz und Lichtenstein die Arbeit selbst finanzieren müssen. Sind aufgrund dieser Tatsache unterschiedliche Ergebnisse, speziell in Bezug auf die Nachhaltigkeit des Projektes zu erwarten?
Nein, denn auch in der Schweiz und Lichtenstein werden öffentliche Mittel eingesetzt. Die Abwicklung erfolgt nur nicht über die EU-Instanzen. Das macht auf die Arbeit daher keinen Unterschied.
Wie wird der Begriff der Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit dem Projekt definiert? Welcher Zeitraum wird für dieses Wort zugrunde gelegt?
Ich würde sagen Jahrzehnte, denn der Impuls der von diesem Projekt ausgehen soll nicht nur den im Moment beteiligten Organisationen Vorteile bringen, sondern soll über einen längeren Zeitraum wirken. Nachhaltigkeit in dem Zusammenhang ist wenn sich dauerhafte Strukturen für den Know-how Transfer gebildet haben, wenn Jugentliche eine weitere und bessere Ausbildung erfahren, wenn sich die Anwendung der Passivhaustechnologie verbreitet und daher zur Energieeffizenz beiträgt, wenn die Produktion von Energie aus erneuerbaren Ressourcen gesteigert werden kann – wenn das erreicht wird, dann ist das nachhaltig und davon gehe ich aus.
Die Finanzmittel der EU im Rahmen des Interreg IIIB- Programms sollen für ein Gleichgewicht zwischen den einzelnen Regionen sorgen. Ist es aber nicht letztendlich doch so, dass das Geld in erster Linie den wirtschaftlich und touristisch attraktiveren Standorten und Unternehmen zur Verfügung gestellt wird?
Nein, jedenfalls nicht bewusst. Natürlich ist es so, dass in den sogenannten stärken Regionen auch stärkere Unternehmen sind, die sich um die Weiterentwicklung bemühen. Meine Erfahrung ist, dass gerade das INTERREG-Programm darauf achtet, dass sich auch schwächere Regionen daran beteiligen. Das macht es für die Einzelnen Projekte nicht einfacher, aber ist ein Kompromiss, der der vermeintlichen Ungleichbehandlung entgegen kommt. Für mich ist es schwierig im Alpenraum große Unterschiede in den Regionen zu erkennen und daher ist dieses Thema relativ zu bewerten.
Wie können Themen wie Tourismus und Holzwertschöfpung generell mit der ökologischen Zielsetzung eines Interreg-Programms in Verbindung gebracht werden?
Sehr einfach, denn: es ist ein Gebot der Stunde den Tourismus auf Nachhaltigkeit und Schutz der Natur- und Kulturlandschaft zu orientieren und neue Werte für Gäste zu schaffen.
Im Bereich Holz ist es naheliegend, zur Zeit ist der Zuwachs von Wald zwei Drittel größer als die Nutzung. Um die Kulturlandschaft zu erhalten und zu pflegen ist die forcierte Nutzung geradezu erforderlich, dies gilt besonders auch für die Erhaltung der Bannwälder, die dringend eine Verjüngung benötigen um den notwendigen Schutz vor Lawinen und Vermuhrungen zu gewähren. Zudem werden die regionalen Recourcen zur Steigerung der Wertschöpfung zur Zeit zu wenig genutzt.
Gibt es Probleme bei der Gelderverteilung (haben sich Partner beschwert)? Und wer entscheidet, wie die Gelder verteilt werden und für welches regionale Projekt?
Das wurde im Vorfelde genau besprochen und in einem Partnervertrag im Detail geregelt. Das dürfte kein Problem darstellen.
Link zum Magazin: AlpenJournal Ausgabe 03/2006

